Ich arbeite als Future Cruise Consultant auf einem Kreuzfahrtschiff, das die Welt bereist.
Für eine deutsche Reederei kreuzen wir im Sommer durch Europa und steuern im Winter ferne Ziele an: die Karibik, die Kanaren, den Indischen Ozean, das Arabische Meer, Afrika, Asien – und manchmal sogar einmal rund um den Globus.

Nach drei Jahren auf See habe ich durch das Eis von Grönland gestapft, die Stille Spitzbergens gespürt, Sonnenuntergänge in Asien beobachtet, die wie flüssiges Gold im Meer versanken – und bin durch Korallenriffe getaucht, die in Farben explodierten.

Heute nehme ich dich mit – auf einen ganz normalen Tag an Bord.
Wobei „normal“ hier ein dehnbarer Begriff ist. Denn kein Tag ist wie der andere.

Morgenroutine auf See

Mein Tag beginnt meist gegen 7:30 Uhr.
Ich teile mir die Kabine mit meinem Partner, dessen Schicht um 8 startet. Während er sich fertig macht, scrolle ich durch Nachrichten, checke Mails und lasse den Tag langsam anrollen.
Nach einer schnellen Dusche und meinem kleinen Morgenritual verlasse ich gegen 8:30 die Kabine – Kaffee in der Hand – und mache einen kurzen Stopp bei ihm im Department, bevor ich in mein Büro gehe.

Dort wird erstmal vorbereitet: aufräumen, Mails checken, Broschüren auffüllen, Infoblätter sortieren – und dann bin ich bereit, Gäste zu empfangen, die von ihrer nächsten Traumreise träumen.


Hafentage vs. Seetage

An Wechseltagen, wenn ein Reiseabschnitt endet und ein neuer beginnt, helfe ich oft beim Check-in oder übernehme andere Aufgaben.
Meine Pause liegt meist zwischen 11 und 12 – je nach Tagesform.
An Bord leben wir nicht nach Wochentagen. Hier zählt nur: Hafentag oder Seetag.

Hafentage sind unsere Wochenenden.
Die meisten Gäste sind an Land – und wir haben längere Pausen.
Wenn es ein neuer Hafen ist, gehe ich raus und entdecke.
Wenn ich den Ort schon kenne, gehe ich vielleicht ins Fitnessstudio oder hole Schlaf nach.

Manchmal begleite ich Ausflüge – entweder zur Qualitätskontrolle oder als Übersetzerin, wenn der Guide die Sprache der Gäste nicht spricht.
Diese Tage liebe ich besonders: neue Orte entdecken, ohne einen Cent auszugeben.

Seetage hingegen sind wie Montage.
Von 9 bis 21 Uhr bin ich im Dienst – mit einer kurzen Mittagspause.
Die Gäste bleiben an Bord, und wir sind durchgehend da: beraten, buchen, organisieren.
Meist endet der Tag ein bisschen nach 21 Uhr – mit müden Füßen, aber einem erfüllten Herzen.

Abendstimmung & Abschalten

Nach Feierabend wird abgeschaltet – jeder auf seine Weise.
Ein Drink in der Crewbar, ein Film in der Kabine, ein Anruf nach Hause oder eine spontane Party auf dem Außendeck.
Wichtig ist nur: genug Schlaf und ein Auge auf die Alkoholregeln.
Denn der nächste Tag kommt schneller, als man denkt.

Der Rhythmus des Lebens an Bord

Kein Tag ist wie der andere.
Alles hängt ab vom Schiff, der Route, der Saison – und den Gästen.

In Asien haben wir oft anspruchsvolle Gäste, die viel erwarten – und gern plaudern, wenn ihnen langweilig ist.
Diese Reisen sind intensiv, manchmal atemlos.

Im Sommer, auf unseren 7-tägigen Skandinavien-Routen, ist alles entspannter.
Viele Erstkreuzfahrer, ruhigeres Tempo, weniger Druck.
Eine willkommene Verschnaufpause nach einem turbulenten Winter.

Jede Route hat ihren eigenen Rhythmus, ihre eigenen Herausforderungen – und ihre eigenen Geschichten.
Manche Tage sind hart.
Manche sind magisch.
Die meisten sind beides.

Warum ich dieses Leben liebe

Auch wenn es manchmal anstrengend ist – ich liebe, was ich tue.
Ich habe gelernt, durch das Chaos zu lächeln, jeden Gast wie den ersten zu begrüßen und die kleinen Momente zu feiern – besonders die, die ich mit meinem Partner und meiner Crewfamilie teile.

Was also ist ein typischer Tag als Future Cruise Consultant?
Die Wahrheit: Es gibt keinen.
Jeder Tag wird vom Meer geschrieben, von den Menschen, die mitreisen – und denen, mit denen wir arbeiten.
Und genau das macht dieses Leben so besonders.

Ahoi – und möge immer eine Handbreit Wasser unter deinem Kiel sein.


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